Mit Partnern zur Spitzengenetik
Swissgenetics braucht engagierte Züchter für einen raschen Zuchtfortschritt
Stefan Buri, Prozessverantwortlicher Embryoprogramm
Swissgenetics sucht Zuchtbetriebe, vor allem mit der Hauptrasse Braunvieh, die in der Genetikentwicklung mitwirken möchten. «Die Partnerschaft zwischen Swissgenetics und dem landwirtschaftlichen Betrieb bezieht sich dabei auf das Austragen und die Aufzucht genetisch-wertvoller Kälber, die in unserem Besitz sind», erklärt Florian Hofer, Projektmanager für das Swissgenetics Partnerprogramm. «Dazu erhalten die Partnerbetriebe tragende Empfängertiere, denen zuvor ein genetisch wertvoller Embryo eingesetzt wurde. Sie übernehmen diese quasi in Pension», sagt Florian Hofer weiter, «alternativ können die Partnerbetriebe aber auch eigene Rinder mit hochwertigen Swissgenetics-Embryonen belegen lassen, die dann zur neuen Generation unserer Top-Genetik werden sollen.»
Embryotransfer für den züchterischen Fortschritt
Durch den Einsatz moderner Embryotransfertechnologie entwickelt Swissgenetics mittlerweile einen grossen Teil der Schweizer Rindergenetik. So verkürzt sich das Generationsintervall und beschleunigt den züchterischen Fortschritt. Einen wichtigen Anteil haben dabei Embryonen aus der eigenen Produktion am Standort in Ins. Zum anderen werden Embryonen aus besonders interessanten Paarungen importiert. «Doch die Embryonen selbst helfen uns noch wenig», weiss Florian Hofer, «unser Endziel ist es, aus diesen Trächtigkeiten auch wertvolle Zuchttiere zu erhalten – mit denen wir im besten Fall Samen oder weitere Nachkommen produzieren können.» Damit diese Vision Realität werden kann, braucht es zuverlässige Partnerbetriebe.
Geburt auf dem Partnerbetrieb
Logischerweise braucht es vorher die Geburt und die Aufzucht eines lebenden Kalbs, das aus einer solchen Embryoträchtigkeit geboren wird. Im Partnerprogramm von Swissgenetics geschieht dieser Schritt bei einem engagierten Züchter oder einer Züchterin, die das tragende Empfängerrind übernimmt und versorgt. «Der Betrieb sollte eine fundierte Geburtshilfe beherrschen und die Kälberaufzucht nach den Regeln der guten landwirtschaftlichen Praxis durchführen können», nennt Florian Hofer die Bedingungen.
Typisierung als Weichenstellung
Das Kalb selbst bleibt nach der Geburt zunächst im Besitz von Swissgenetics. Die genomische Typisierung entscheidet dann über seinen weiteren Lebensweg. Die besten männlichen Kälber, die sich als Besamungsstiere eignen, ziehen im Alter von ungefähr vier Monaten auf die Swissgenetics Aufzuchtstation nach Langnau um und erhalten dann das Kürzel SG hinter ihrem Namen. «Die anderen Stierkälber gehen in die Mast», erläutert Florian. Die weiblichen Kälber bleiben zunächst ebenfalls im Besitz von Swissgenetics und können zum Beispiel als künftige Stierenmütter genutzt werden. «Wenn sich unsere Sire Analysten dagegen entscheiden, dass ein Kuhkalb diesen Weg einschlägt, wird es über verschiedene Kanäle zum Verkauf angeboten», sagt der Projektmanager weiter, «der Partner erhält jetzt ein Vorkaufsrecht und kann sich damit unkompliziert Topgenetik für den eigenen Betrieb sichern.» Auch das abgekalbte Empfängertier kann der Partnerbetrieb bei Gefallen erwerben – andernfalls geht es wieder auf den Markt und wird als erstlaktierende Kuh verkauft.
Passend zur Hauptrasse der Partner
«Die erste Frage an interessierte Betriebe lautet: Wie viele Rinder kannst du aufnehmen?», beschreibt Florian Hofer den Ablauf. «Ein Minimum besteht nicht – je mehr Tiere bei einem Partner untergebracht werden können, umso besser.» Die Empfängertiere werden durch Swissgenetics organisiert und auf der Embryostation in Ins mit hochwertiger Genetik belegt. Sie werden nur sicher tragend an den Partnerbetrieb abgegeben. Wann immer möglich wird der Embryo passend zu dessen Hauptrasse ausgesucht. «In aller Regel achten wir zusätzlich darauf, dass Braunviehbetriebe darüber hinaus auch überwiegend braune Trägertiere erhalten», betont Florian.
Enge Betreuung und gute Lösungen
Vor und nach der Geburt des Kalbs unterstützt das Prozessteam Embryo den gesamten Ablauf. Es gibt hilfreiche Tipps, die für den Umgang mit Embryokälbern speziell wichtig sind. Das Prozessteam misst bzw. wiegt die Kälber regelmässig. Die Embryoexperten unterstützen die Partnerbetriebe bei allen Fragen – insbesondere im Krankheitsfall des Kalbs wird gemeinsam nach der besten Lösung gesucht. «Für den Mehraufwand, den die Betreuung unserer genetisch-wertvollen Embryokälber für den Partner bedeutet, entschädigen wir ihn finanziell», erklärt Florian Hofer. «So können wir gemeinsam für hochwertige Genetik sorgen, die sowohl unseren Partnerbetrieben als auch Swissgenetics langfristigen Nutzen bringt.»
Anforderungen und Betreuung der tragenden Empfängertiere
Was bedeutet es, Partnerbetrieb für das Swissgenetics Embryoprogramm zu sein?
Eigentlich müssen keine aussergewöhnlichen Massnahmen ergriffen werden. Einige Punkte sollten für die erfolgreiche Aufzucht der wertvollen Tiere dennoch beachtet werden:
Optimale Bedingungen für das Empfängertier schaffen
Damit das hochwertige Kalb bestmögliche Startbedingungen erhält, muss das tragende Rind gut betreut werden. Das Prozessteam unterstützt Partnerbetriebe dabei mit praxisnahen Tipps.
- Während der Trächtigkeit darf das Empfängertier nicht verfetten, um das Risiko einer Schwergeburt niedrig zu halten.
- Das Tier muss eine stabile, gute Körperkondition halten – dies erleichtert den Geburtsverlauf.
Gesundheitsvorsorge beim Kalb
Gesunde Kälber sind der Schlüssel für langlebige Stiere und Kühe. Standardisierte
Prozesse und eine hohe Sensibilität genegenüber der Kälbergesundheit sind eine wichtige Voraussetzung für gesunde Kälber aus dem Embryotransfer.
- Hygienemassnahmen und Prophylaxe wie Muttertierimpfungen sind besonders wichtig und erleichtern den Start ins Leben.
Vorbereitung auf die Geburt
Die Geburt ist ein entscheidender Moment im Leben eines Kalbs und muss sorgfältig überwacht werden.
- Speziell Kälber aus Invitro-Produktion können vereinzelt in den letzten Tagen der Trächtigkeit überdurchschnittlich an Gewicht zulegen. Daher ist es wichtig, die Trächtigkeitsdauer bei ihnen im Auge zu behalten und die Geburt gegebenenfalls tierärztlich einleiten zu lassen, wenn sie nicht von selbst in Gang kommt.