Stand der Entwicklung weltweit (Stand April 2012)
Die genomische Selektion ist mittlerweile in allen führenden Rindviehzucht-Nationen eingeführt worden. Der Stand bei den einzelnen Rassen ist unterschiedlich: Bei den grossen Milchrassen, insbesondere Holstein, wird diese Technologie nun bereits seit mehreren Jahren routinemässig angewendet, bei kleineren Milchrassen und bei den Fleischrassen generell laufen noch Aufbauprojekte.
In den USA wurden im Januar 2009 erstmals offiziell genomische Zuchtwerte publiziert (Brown Swiss: August 2009). Diese ersetzen die traditionellen Zuchtwerte. In Kanada sind die genomisch optimierten Zuchtwerte seit August 2009 offiziell, in den grossen Holstein-Populationen Europas (F, D, NL, Skandinavien) seit August 2010. Quasi gleichzeitig mit der offiziellen Einführung der genomisch optimierten Zuchtwerte wurde in diesen Ländern mit der Vermarktung von Jungstieren allein basierend auf den genomischen Zuchtwerten begonnen.
Zur Verbesserung der Grundlagen (Grösse des Trainingsdatensets) haben sich bei Holstein zwei Blöcke gebildet: das nord-amerikanische Konsortium (Mitglieder: USA, Kanada, Italien und Grossbritannien) einerseits und EuroGenomics bestehend aus den Ländern Frankreich, Deutschland, Holland, den nordischen Ländern (ausser Norwegen) und Spanien andererseits. Die Braunvieh-Zuchtorganisationen vieler Länder betreiben zusammen mit Interbull das länderübergreifende Projekt Intergenomics. Interbull selber ist daran, die Methodik zur Umrechnung von genomischen Zuchtwerten (GMACE) aufzubauen.
Technologisch gesehen läuft die Entwicklung rasant: Illumina bietet aktuell neben dem Standard-Chip zur Bestimmung von 54'000 SNP eine Billigvariante mit 6'000 SNPs und eine High-Density Variante mit 777'000 SNPs an. Von High-Density Chips werden Ergebnisse, die sich besser von einer Rasse auf eine andere übertragen lassen, erwartet. Mit dem sogenannten Imputing können - bei entsprechender Datengrundlage - die Genotypen von dichteren SNP-Chips anhand der Genotypen mit weniger dichten SNP-Chips mit hoher Sicherheit ermittelt werden. Die Sequenzierung des gesamten Genoms (= Bestimmen aller rund 3 Mia. Basenpaare eines Tieres) kostet mittlerweile weniger als CHF 5'000.-- und wird bereits im grösseren Stil für Forschungszwecke eingesetzt.
Stand der Entwicklung in der Schweiz (Stand April 2012)
Die schweizerischen Rindviehzucht- und KB-Organisationen haben das Potenzial der genomischen Selektion früh erkannt und bereits 2007 ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt lanciert. Das Projekt wurde zu Beginn von der Arbeitsgruppe Forschung und Entwicklung der ASR durchgeführt. Die wichtigsten Projektpartner waren:
- Qualitas AG, Zug, zuerst für die Aufbereitung der DNA, später für die Durchführung und Weiterentwicklung der genomischen Zuchtwertschätzung
- Universität Genf für die SNP-Bestimmung (mittlerweile abgelöst durch das Labor IFN Schönow)
- applied genetics network (Dr. Ch. Stricker), Davos, für die Entwicklung der der genomischen Zuchtwertschätzung.
Die genomische Zuchtwertschätzung erfordert Gleichungen, zu deren Ableitung eine hohe Anzahl genotypisierter und nach-zuchtgeprüfter Stiere notwendig sind. Ergebnisse anderer Länder zeigen, dass diese Gleichungen populationsspezifisch sind und somit nicht aus dem Ausland oder von einer anderen Rasse übernommen werden können. Deshalb muss für jede Population eine Reihe nachzuchtgeprüfter Stiere typisiert werden. Das Gros dieser Stiere wird für das Ermitteln der Gleichungen verwendet (= Trainingsdatenset), der Rest für die Überprüfung (= Validierungsdatenset). Je mehr Stiere zur Verfügung stehen, umso besser.
Die drei Zuchtverbände Braunvieh Schweiz, swissherdbook und Schweiz. Holsteinzuchtverband (SHZV) haben die Laborkosten für das Genotypisieren der ersten Stiere im Trainings- und Verifikationsdatenset (total über 2000 nachzuchtgeprüfte Stiere) übernommen, die KB-Organisationen die Samendosen beigetragen.
Zudem konnte mittels Genotypenaustausch mit anderen Ländern die Anzahl Stiere für das Trainingsdatenset noch erhöht werden.
Ende 2009 lieferten die drei Zuchtverbände erste, damals noch provisorische direkte genomische Zuchtwerte für die Milchleistung, ab Frühling 2010 auch für das Exterieur und weitere Merkmale. Im Dezember 2010 wurden erstmals genomisch optimierte Zuchtwerte publiziert, die die traditionellen Zuchtwerte offiziell ersetzen. Im Juni 2011 validierte Interbull die genomische Zuchtwertschätzung der drei Schweizer Zuchtverbände. Braunvieh Schweiz macht beim Projekt Intergenomics (siehe oben) mit.
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Inland-Holsteinangebot
16.05.2012 -Das Inland-Holsteinangebot ist breit, vielseitig und erfüllt höchste Ansprüche.

















